Was Sie brauchen: Überblick
Ein 360° Rundgang entsteht in sechs Schritten: Equipment auswählen, Standpunkte planen, Panoramen aufnehmen, Bilder stitchen, Tour zusammenbauen, veröffentlichen. Die Lernkurve ist steil — aber mit der richtigen Ausrüstung und etwas Übung sind brauchbare Ergebnisse möglich.
Erwarten Sie allerdings keine Profi-Qualität beim ersten Versuch. Die Qualitätsunterschiede zwischen DIY und professioneller Umsetzung sind erheblich — besonders bei Belichtung, Stitching und der Integration von Conversion-Elementen.
Schritt 1: Equipment auswählen
Option A: Consumer 360°-Kamera (Einsteiger)
Der schnellste Einstieg: All-in-One-Kameras wie die Ricoh Theta X (ca. 500 EUR) oder Insta360 X4 (ca. 450 EUR) nehmen vollsphärische Panoramen in einem Klick auf. Das Stitching passiert automatisch in der Kamera.
- Vorteile: Schnell, einfach, portabel
- Nachteile: Begrenzte Auflösung, kein echtes HDR, sichtbare Stitching-Nähte bei Nahaufnahmen
- Geeignet für: Erste Versuche, Dokumentation, einfache Rundgänge
Option B: DSLR mit Nodalpunktadapter (Profi)
Die Profi-Lösung: Eine DSLR oder Mirrorless-Kamera mit Fisheye-Objektiv auf einem Nodalpunktadapter. Sie fotografieren 6-8 Einzelbilder pro Standpunkt und stitchen diese am Computer zusammen. Das liefert die höchste Qualität.
- Kamera: Sony Alpha 7 IV, Canon R6, Nikon Z6 (ab 1.500 EUR)
- Objektiv: Sigma 8mm Fisheye oder Samyang 12mm (ab 250 EUR)
- Nodalpunktadapter: Nodal Ninja oder Fanotec (ab 300 EUR)
- Stativ: Stabiles Stativ mit Nivellierung (ab 150 EUR)
Zusätzliches Zubehör
- Fernauslöser oder Timer (damit Sie nicht im Bild stehen)
- Graukarte für konsistenten Weißabgleich
- Reinigungstücher für die Optik
- Transportkoffer für das Equipment
Schritt 2: Aufnahme-Standpunkte planen
Die Standortplanung entscheidet über die Qualität des Rundgangs. Zu wenige Punkte und der Besucher fühlt sich verloren. Zu viele und die Navigation wird unübersichtlich.
Faustregeln für die Standpunktplanung
- Abstand: Alle 2-3 Meter ein Standpunkt, in großen Hallen alle 4-5 Meter
- Kamerahöhe: 150 cm (Augenhöhe im Stehen) — konsistent bei allen Punkten
- Türen: Immer einen Standpunkt auf jeder Seite einer Tür
- Highlight-Spots: Besondere Bereiche (Empfang, Produktdisplay, Aussicht) bekommen eigene Standpunkte
- Faustregel: Pro 20-30 m² ein Panorama-Standpunkt
Schritt 3: 360°-Panoramen aufnehmen
Mit Consumer-Kamera
Stativ aufstellen, Kamera ausrichten, per App oder Timer auslösen, den Raum verlassen (Sie wollen nicht im Bild stehen). Die Kamera stitcht automatisch. Achten Sie auf gleichmäßige Belichtung — Fenster mit Tageslicht und dunkle Ecken im selben Raum sind die größte Herausforderung.
Mit DSLR-Setup
Stativ mit Nodalpunktadapter aufbauen, Kamera auf den Nodalpunkt einstellen (verhindert Parallaxenfehler). Dann: Kamera in 60°-Schritten drehen (6 Aufnahmen horizontal), plus Zenit (oben) und Nadir (unten). Pro Position eine HDR-Belichtungsreihe (3-5 Belichtungen).
Aufnahme-Tipps vom Profi
- Licht: Alle Raumlichter einschalten, aber Tageslicht bevorzugen. Keine Mischlicht-Situationen.
- Aufräumen: Kabel, Müll und persönliche Gegenstände entfernen — sie fallen im Panorama stärker auf als in normalen Fotos.
- Timing: Innenräume bei bedecktem Himmel fotografieren (weniger Kontrast an Fenstern).
- Manueller Modus: ISO, Blende und Weißabgleich fixieren — niemals Automatik bei 360°-Aufnahmen.
- Stativ-Entfernung: Das Stativ im Nadir-Bild muss später retuschiert werden. Ein dunkler Boden erleichtert das.
Schritt 4: Stitching und Nachbearbeitung
Beim Stitching werden die Einzelbilder zu einem nahtlosen Panorama zusammengefügt. Bei Consumer-Kameras passiert das automatisch — bei DSLR-Aufnahmen ist spezielle Software nötig.
Empfohlene Software
- PTGui Pro (ab 200 EUR): Der Industriestandard für Panorama-Stitching. Beste Qualität, volle Kontrolle.
- Autopano / Kolor: Gute Alternative, etwas einfachere Bedienung.
- Adobe Lightroom + Photoshop: Für HDR-Verarbeitung und Retusche (Stativ entfernen, Farbkorrektur).
Nachbearbeitungs-Workflow
- HDR-Belichtungsreihen in Lightroom zusammenführen
- Weißabgleich und Belichtung korrigieren (alle Panoramen einheitlich)
- Bilder exportieren und in PTGui stitchen
- Stitching-Fehler manuell korrigieren (besonders an geraden Linien)
- Nadir-Bereich retuschieren (Stativ entfernen, Logo platzieren)
- Equirectangular-Panorama als JPEG exportieren (8.000 x 4.000 Pixel minimum)
Schritt 5: Tour zusammenbauen
Jetzt werden die fertigen Panoramen zu einem navigierbaren Rundgang verbunden. Dafür brauchen Sie Tour-Software.
3DVista Virtual Tour Pro (unsere Empfehlung)
3DVista ist die Software, die wir selbst für alle Projekte nutzen. Einmalkauf (ca. 500 EUR), kein Abo, unbegrenzte Touren. Die wichtigsten Funktionen:
- Panoramen verbinden mit Navigations-Hotspots
- Info-Hotspots mit Text, Bildern und Links
- Video-Hotspots (freigestellte Videos im Raum)
- Grundriss-Navigation mit Live-Radar
- Formulare direkt im Rundgang einbetten
- Export als HTML5 (läuft auf jedem Gerät)
Kostenlose Alternativen
- Pannellum: Open-Source JavaScript-Viewer. Funktioniert, aber erfordert HTML/CSS/JS-Kenntnisse.
- Marzipano: Browser-basiertes Tool von Google. Einfach, aber sehr limitiert.
- A-Frame: WebVR-Framework. Mächtig, aber hoher technischer Aufwand.
Kostenlose Tools eignen sich für Prototypen und Lernprojekte. Für geschäftliche Rundgänge empfehlen wir dringend professionelle Software — die Zeitersparnis und die zusätzlichen Funktionen rechtfertigen die Investition. Entdecken Sie alle Möglichkeiten, die ein professioneller Rundgang bietet.
Schritt 6: Veröffentlichung
3DVista exportiert den Rundgang als HTML5-Paket. Dieses laden Sie auf Ihren Webserver hoch und betten es per iFrame auf Ihrer Website ein. Der Code sieht so aus:
<iframe src="https://ihre-domain.de/tour/" width="100%" height="600" frameborder="0" allowfullscreen></iframe> Hosting-Optionen
- Eigener Server: Volle Kontrolle, keine laufenden Kosten, beste Performance. Erfordert Webserver-Zugang.
- 3DVista Hosting: Einfach, aber mit monatlichen Kosten und eingeschränkter Kontrolle.
- Cloud-Speicher (AWS S3, Netlify): Günstig, schnell, skalierbar. Unsere Empfehlung für technisch versierte Nutzer.
DIY vs. Profi: Die ehrliche Einschätzung
DIY funktioniert, wenn:
- Sie den Rundgang intern nutzen (Dokumentation, Schulung)
- Sie technisch versiert sind und Zeit haben
- Die Anforderungen an Bildqualität nicht höchste Priorität haben
- Sie keine Conversion-Elemente brauchen
- Das Budget unter 500 EUR liegt
Profi beauftragen, wenn:
- Der Rundgang Kunden überzeugen soll
- Sie Leads generieren oder Conversions messen wollen
- Die Bildqualität Ihr Unternehmen repräsentiert
- Sie Video-Hotspots oder Formulare integrieren wollen
- Zeit wichtiger ist als Geld
Was ein Profi anders macht
Die Aufnahmetechnik ist nur 20 % des Ergebnisses. Professionelle 360°-Anbieter bringen Erfahrung in Lichtsetzung, Rauminszenierung und — am wichtigsten — Conversion-Optimierung mit. Ein professioneller Rundgang mit Video-Hotspots, eingebetteten Formularen und Tracking generiert nachweisbar 2-3x mehr Leads als ein DIY-Rundgang. Erfahren Sie mehr über unsere 360° Touren oder berechnen Sie Ihr Projekt im Preiskalkulator.
Checkliste: Vor dem Start
- Kamera und Stativ getestet und aufgeladen?
- Räume aufgeräumt und beleuchtet?
- Standpunkte auf Grundriss eingezeichnet?
- Fernauslöser oder Timer eingestellt?
- Genügend Speicherkarten und Akkus dabei?
- Software installiert und getestet (PTGui, 3DVista)?
- Hosting-Lösung vorbereitet?
- Ziel definiert: Was soll der Rundgang leisten?