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Anleitung 3. April 2026

360° Rundgang erstellen — Schritt-für-Schritt Anleitung

Sie wollen einen 360-Grad-Rundgang erstellen? Diese Anleitung führt Sie durch den gesamten Prozess: von der Kamerawahl über die Aufnahme bis zur fertigen Tour auf Ihrer Website. Wir zeigen, was DIY leisten kann — und ab wann ein Profi die bessere Investition ist.

Von Alexander Fischl · 12 Min. Lesezeit

Was Sie brauchen: Überblick

Ein 360° Rundgang entsteht in sechs Schritten: Equipment auswählen, Standpunkte planen, Panoramen aufnehmen, Bilder stitchen, Tour zusammenbauen, veröffentlichen. Die Lernkurve ist steil — aber mit der richtigen Ausrüstung und etwas Übung sind brauchbare Ergebnisse möglich.

Erwarten Sie allerdings keine Profi-Qualität beim ersten Versuch. Die Qualitätsunterschiede zwischen DIY und professioneller Umsetzung sind erheblich — besonders bei Belichtung, Stitching und der Integration von Conversion-Elementen.

Schritt 1: Equipment auswählen

Option A: Consumer 360°-Kamera (Einsteiger)

Der schnellste Einstieg: All-in-One-Kameras wie die Ricoh Theta X (ca. 500 EUR) oder Insta360 X4 (ca. 450 EUR) nehmen vollsphärische Panoramen in einem Klick auf. Das Stitching passiert automatisch in der Kamera.

  • Vorteile: Schnell, einfach, portabel
  • Nachteile: Begrenzte Auflösung, kein echtes HDR, sichtbare Stitching-Nähte bei Nahaufnahmen
  • Geeignet für: Erste Versuche, Dokumentation, einfache Rundgänge

Option B: DSLR mit Nodalpunktadapter (Profi)

Die Profi-Lösung: Eine DSLR oder Mirrorless-Kamera mit Fisheye-Objektiv auf einem Nodalpunktadapter. Sie fotografieren 6-8 Einzelbilder pro Standpunkt und stitchen diese am Computer zusammen. Das liefert die höchste Qualität.

  • Kamera: Sony Alpha 7 IV, Canon R6, Nikon Z6 (ab 1.500 EUR)
  • Objektiv: Sigma 8mm Fisheye oder Samyang 12mm (ab 250 EUR)
  • Nodalpunktadapter: Nodal Ninja oder Fanotec (ab 300 EUR)
  • Stativ: Stabiles Stativ mit Nivellierung (ab 150 EUR)

Zusätzliches Zubehör

  • Fernauslöser oder Timer (damit Sie nicht im Bild stehen)
  • Graukarte für konsistenten Weißabgleich
  • Reinigungstücher für die Optik
  • Transportkoffer für das Equipment

Schritt 2: Aufnahme-Standpunkte planen

Die Standortplanung entscheidet über die Qualität des Rundgangs. Zu wenige Punkte und der Besucher fühlt sich verloren. Zu viele und die Navigation wird unübersichtlich.

Faustregeln für die Standpunktplanung

  • Abstand: Alle 2-3 Meter ein Standpunkt, in großen Hallen alle 4-5 Meter
  • Kamerahöhe: 150 cm (Augenhöhe im Stehen) — konsistent bei allen Punkten
  • Türen: Immer einen Standpunkt auf jeder Seite einer Tür
  • Highlight-Spots: Besondere Bereiche (Empfang, Produktdisplay, Aussicht) bekommen eigene Standpunkte
  • Faustregel: Pro 20-30 m² ein Panorama-Standpunkt

Schritt 3: 360°-Panoramen aufnehmen

Mit Consumer-Kamera

Stativ aufstellen, Kamera ausrichten, per App oder Timer auslösen, den Raum verlassen (Sie wollen nicht im Bild stehen). Die Kamera stitcht automatisch. Achten Sie auf gleichmäßige Belichtung — Fenster mit Tageslicht und dunkle Ecken im selben Raum sind die größte Herausforderung.

Mit DSLR-Setup

Stativ mit Nodalpunktadapter aufbauen, Kamera auf den Nodalpunkt einstellen (verhindert Parallaxenfehler). Dann: Kamera in 60°-Schritten drehen (6 Aufnahmen horizontal), plus Zenit (oben) und Nadir (unten). Pro Position eine HDR-Belichtungsreihe (3-5 Belichtungen).

Aufnahme-Tipps vom Profi

  • Licht: Alle Raumlichter einschalten, aber Tageslicht bevorzugen. Keine Mischlicht-Situationen.
  • Aufräumen: Kabel, Müll und persönliche Gegenstände entfernen — sie fallen im Panorama stärker auf als in normalen Fotos.
  • Timing: Innenräume bei bedecktem Himmel fotografieren (weniger Kontrast an Fenstern).
  • Manueller Modus: ISO, Blende und Weißabgleich fixieren — niemals Automatik bei 360°-Aufnahmen.
  • Stativ-Entfernung: Das Stativ im Nadir-Bild muss später retuschiert werden. Ein dunkler Boden erleichtert das.

Schritt 4: Stitching und Nachbearbeitung

Beim Stitching werden die Einzelbilder zu einem nahtlosen Panorama zusammengefügt. Bei Consumer-Kameras passiert das automatisch — bei DSLR-Aufnahmen ist spezielle Software nötig.

Empfohlene Software

  • PTGui Pro (ab 200 EUR): Der Industriestandard für Panorama-Stitching. Beste Qualität, volle Kontrolle.
  • Autopano / Kolor: Gute Alternative, etwas einfachere Bedienung.
  • Adobe Lightroom + Photoshop: Für HDR-Verarbeitung und Retusche (Stativ entfernen, Farbkorrektur).

Nachbearbeitungs-Workflow

  1. HDR-Belichtungsreihen in Lightroom zusammenführen
  2. Weißabgleich und Belichtung korrigieren (alle Panoramen einheitlich)
  3. Bilder exportieren und in PTGui stitchen
  4. Stitching-Fehler manuell korrigieren (besonders an geraden Linien)
  5. Nadir-Bereich retuschieren (Stativ entfernen, Logo platzieren)
  6. Equirectangular-Panorama als JPEG exportieren (8.000 x 4.000 Pixel minimum)

Schritt 5: Tour zusammenbauen

Jetzt werden die fertigen Panoramen zu einem navigierbaren Rundgang verbunden. Dafür brauchen Sie Tour-Software.

3DVista Virtual Tour Pro (unsere Empfehlung)

3DVista ist die Software, die wir selbst für alle Projekte nutzen. Einmalkauf (ca. 500 EUR), kein Abo, unbegrenzte Touren. Die wichtigsten Funktionen:

  • Panoramen verbinden mit Navigations-Hotspots
  • Info-Hotspots mit Text, Bildern und Links
  • Video-Hotspots (freigestellte Videos im Raum)
  • Grundriss-Navigation mit Live-Radar
  • Formulare direkt im Rundgang einbetten
  • Export als HTML5 (läuft auf jedem Gerät)

Kostenlose Alternativen

  • Pannellum: Open-Source JavaScript-Viewer. Funktioniert, aber erfordert HTML/CSS/JS-Kenntnisse.
  • Marzipano: Browser-basiertes Tool von Google. Einfach, aber sehr limitiert.
  • A-Frame: WebVR-Framework. Mächtig, aber hoher technischer Aufwand.

Kostenlose Tools eignen sich für Prototypen und Lernprojekte. Für geschäftliche Rundgänge empfehlen wir dringend professionelle Software — die Zeitersparnis und die zusätzlichen Funktionen rechtfertigen die Investition. Entdecken Sie alle Möglichkeiten, die ein professioneller Rundgang bietet.

Schritt 6: Veröffentlichung

3DVista exportiert den Rundgang als HTML5-Paket. Dieses laden Sie auf Ihren Webserver hoch und betten es per iFrame auf Ihrer Website ein. Der Code sieht so aus:

<iframe src="https://ihre-domain.de/tour/" width="100%" height="600" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>

Hosting-Optionen

  • Eigener Server: Volle Kontrolle, keine laufenden Kosten, beste Performance. Erfordert Webserver-Zugang.
  • 3DVista Hosting: Einfach, aber mit monatlichen Kosten und eingeschränkter Kontrolle.
  • Cloud-Speicher (AWS S3, Netlify): Günstig, schnell, skalierbar. Unsere Empfehlung für technisch versierte Nutzer.

DIY vs. Profi: Die ehrliche Einschätzung

DIY funktioniert, wenn:

  • Sie den Rundgang intern nutzen (Dokumentation, Schulung)
  • Sie technisch versiert sind und Zeit haben
  • Die Anforderungen an Bildqualität nicht höchste Priorität haben
  • Sie keine Conversion-Elemente brauchen
  • Das Budget unter 500 EUR liegt

Profi beauftragen, wenn:

  • Der Rundgang Kunden überzeugen soll
  • Sie Leads generieren oder Conversions messen wollen
  • Die Bildqualität Ihr Unternehmen repräsentiert
  • Sie Video-Hotspots oder Formulare integrieren wollen
  • Zeit wichtiger ist als Geld

Was ein Profi anders macht

Die Aufnahmetechnik ist nur 20 % des Ergebnisses. Professionelle 360°-Anbieter bringen Erfahrung in Lichtsetzung, Rauminszenierung und — am wichtigsten — Conversion-Optimierung mit. Ein professioneller Rundgang mit Video-Hotspots, eingebetteten Formularen und Tracking generiert nachweisbar 2-3x mehr Leads als ein DIY-Rundgang. Erfahren Sie mehr über unsere 360° Touren oder berechnen Sie Ihr Projekt im Preiskalkulator.

Checkliste: Vor dem Start

  • Kamera und Stativ getestet und aufgeladen?
  • Räume aufgeräumt und beleuchtet?
  • Standpunkte auf Grundriss eingezeichnet?
  • Fernauslöser oder Timer eingestellt?
  • Genügend Speicherkarten und Akkus dabei?
  • Software installiert und getestet (PTGui, 3DVista)?
  • Hosting-Lösung vorbereitet?
  • Ziel definiert: Was soll der Rundgang leisten?
🔗

Weiterführende Quelle

Die technischen Anforderungen für Google Street View Touren sind in der offiziellen Google Business Photo-Richtlinie dokumentiert — inkl. Mindestauflösung, Metadaten-Anforderungen und Upload-Prozess.

Häufige Fragen: 360° Rundgang erstellen

Welche Kamera brauche ich für 360° Rundgänge?
Für Einsteiger empfehlen wir die Ricoh Theta X oder Insta360 X4 (ab ca. 500 EUR). Für professionelle Ergebnisse setzen wir auf DSLR-Setups mit Nodalpunktadapter und Fisheye-Objektiv — das liefert die höchste Auflösung und beste HDR-Qualität, erfordert aber deutlich mehr Know-how.
Kann ich einen 360° Rundgang mit dem Handy erstellen?
Technisch ja — Google Street View und ähnliche Apps ermöglichen einfache 360°-Aufnahmen per Smartphone. Die Qualität reicht für private Zwecke, ist aber für geschäftliche Nutzung nicht geeignet: sichtbare Stitching-Fehler, begrenzte Auflösung und keine HDR-Belichtung.
Welche Software ist am besten für 360° Rundgänge?
Für die Tour-Erstellung empfehlen wir 3DVista Virtual Tour Pro (Einmalkauf, ca. 500 EUR). Für Stitching: PTGui (ab 200 EUR) oder die kameraeigene Software. Kostenlose Alternativen wie Pannellum oder Marzipano sind möglich, bieten aber weniger Funktionen und erfordern Programmierkenntnisse.
Wie lange dauert es, einen 360° Rundgang zu erstellen?
DIY mit Consumer-Kamera: Aufnahme 1-2 Stunden, Nachbearbeitung 4-8 Stunden (je nach Erfahrung). Professionell: Aufnahme vor Ort 1-3 Stunden, Lieferung des fertigen Rundgangs in 1-5 Werktagen. Bei Conversion-optimierten Rundgängen mit Video-Hotspots kann die Produktion 2-3 Wochen dauern.
Lohnt sich DIY oder sollte ich einen Profi beauftragen?
Für interne Dokumentation oder private Zwecke kann DIY funktionieren. Für Ihre Website, Immobilien-Listings oder Kundengewinnung empfehlen wir dringend professionelle Umsetzung. Die Qualitätsunterschiede sind erheblich — schlechte Bildqualität, Stitching-Fehler und fehlende Conversion-Elemente kosten Sie am Ende mehr als die Investition in einen Profi.

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